Welche Rechtsform ist die richtige für meinen Onlineshop?

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Wer einen eigenen Onlineshop gründen möchte, muss sich zu Beginn mit vielen verschiedenen Aspekten auseinandersetzen. Einer, der besonders viel Einfluss auf Ihren weiteren Werdegang als Onlinehändler haben wird, ist die Wahl einer passenden Rechtsform. Was für manchen im ersten Moment kinderleicht klingen mag, ist in Wirklichkeit eine Entscheidung, die nie leichtfertig getroffen werden sollte. Darum möchten wir Ihnen hier die gängigsten Rechtsformen vorstellen und verraten, worauf Sie bei Ihrer Wahl achten müssen.

Was ist eine Rechtsform?

Rechtsformen wie GmbH, Einzelunternehmen, GbR oder Aktiengesellschaft legen – ganz allgemein formuliert – den rechtlichen Rahmen einer Selbstständigkeit fest. Die Wahl der Rechtsform hat unter anderem Einfluss auf diese Punkte:

  • Haftung
  • Kapitaleinsatz
  • Organe und Struktur des Unternehmens
  • Steuern
  • Mindest-Anzahl der Gesellschafter/Gründungsmitglieder

In Deutschland gibt es den sogenannten Typenzwang. Das bedeutet, dass Sie eine der existierenden Rechtsformen für Ihren Onlineshop auswählen müssen und keine eigene erfinden dürfen. Umso wichtiger ist es, sich die einzelnen Optionen genau anzuschauen, um letztlich die zu wählen, die am besten zu Ihrem Vorhaben passt.

Rechtsformen im E-Commerce: Ein Überblick

Wer einen Onlineshop gründet und noch auf der Suche nach der passenden Rechtsform ist, hat grundsätzlich die Wahl zwischen vielen verschiedenen Optionen. Um Ihnen einen Überblick über die gängigsten Rechtsformen zu verschaffen, haben wir die wichtigsten Informationen in einer Tabelle für Sie zusammengefasst.

Rechtsform Aufwand Kosten Haftung Mindestkapital Handelsregistereintrag Anzahl der Gründer/Gesellschafter
Einzelunternehmen gering gering unbeschränkt keins nicht zwingend 1
GmbH hoch hoch beschränkt 25.000 Euro ja mind. 1
GbR mittel gering unbeschränkt keins nein mind. 2
OHG mittel mittel unbeschränkt keins ja mind. 2
GmbH & Co. KG hoch hoch teils beschränkt, teils unbeschränkt 25.000 Euro ja mind. 2
e.K. mittel gering unbeschränkt keins ja 1
KG hoch mittel teils beschränkt, teils unbeschränkt keins ja mind. 2
UG (haftungsbeschränkt) hoch hoch beschränkt mind. 1 Euro ja mind. 1
AG hoch hoch beschränkt 50.000 Euro ja mind. 1
Ltd. hoch hoch beschränkt mind. 1 brit. Pfund nicht zwingend mind. 1

Die beliebtesten Rechtsformen im E-Commerce

Die Webseite onlineshop-basics.de hat im Jahr 2013 rund 1.000 Onlinehändler zu unterschiedlichen Themen befragt und daraus eine interessante Studie erstellt. Eine Frage beschäftigte sich auch mit der Wahl der Rechtsform. Die Verteilung, die aus der Befragung hervorgegangen ist, ist überraschend eindeutig:

  • 39 % der Befragten haben eine GmbH gegründet
  • 33 % der Befragten haben ein Einzelunternehmen gegründet
  • 6 % der Befragten haben eine GbR gegründet
  • 6 % der Befragten haben eine GmbH & Co. KG gegründet
  • 6 % der Befragten sind eingetragene Kaufleute (e.K.)
  • die restlichen Prozente verteilen sich auf die Rechtsformen AG, UG (haftungsbeschränkt), OHG, KG, Ltd. und Sonstige

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass laut der genannten Studie über 70 Prozent aller Onlineshop-Betreiber entweder eine GmbH oder ein Einzelunternehmen gründen. Die Bedeutung der anderen Optionen kann als verschwindend gering bezeichnet werden.

Die GmbH im Detail

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung – kurz: GmbH – ist so etwas wie die Grande Dame unter den Rechtsformen. Sowohl im Onlinehandel als auch in jeder andere Branche steht sie für Seriosität, Beständigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Kein Wunder also, dass sie so beliebt ist.

Der „Preis“, den Gründer für das Ansehen einer GmbH zahlen müssen, sind

  • 25.000 Euro Startkapital auf der einen Seite und
  • ein komplizierter und langwieriger Gründungsprozess auf der anderen Seite

Dafür – und das ist für viele der größte und entscheidende Vorteil dieser Rechtsform – genießen Sie als Gesellschafter einer GmbH eine beschränkte Haftung. Das bedeutet: Sollte es im schlimmsten Fall zu einer Insolvenz Ihres Onlineshops kommen, wird hierfür nur Ihr unternehmerisches Kapital herangezogen. Ihr Privateigentum hingegen bleibt unangetastet.

Gerade dann, wenn Sie einen großen Onlineshop gründen wollen, hierfür unternehmerische Risiken eingehen und eventuell auch auf Kredite von Banken und anderen Geldgebern angewiesen sind, ist es durchaus sinnvoll, sich für die GmbH zu entscheiden.

Soll der Shop hingegen erst einmal klein beziehungsweise als Nebenjob aufgezogen werden, ist die Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegebenenfalls „zu viel des Guten“.

Das Einzelunternehmen im Detail

Das Einzelunternehmen, das weder zu den Personen- noch zu den Kapitalgesellschaften gehört, kann – salopp formuliert – als das krasse Gegenteil zur GmbH verstanden werden. Das liegt insbesondere an diesen Punkten:

  • der Gründungsprozess ist einfach, schnell und formlos
  • es ist kein Mindestkapital notwendig
  • der Einzelunternehmer haftet im vollen Umfang

Während die ersten beiden Punkte sehr verlockend klingen, schreckt der dritte viele Onlinehändler zunächst einmal ab. Nicht ohne Grund, denn sollte Ihr Onlineshop scheitern, dann müssen Sie für diesen auch mit Ihrem privaten Besitz haften. Wenn es also hart auf hart kommt, könnten Sie (schlimmstenfalls) alles verlieren.

Doch trotz dieses Nachteils vom Einzelunternehmen soll an dieser Stelle noch einmal betont werden, dass sich diese Rechtsform unter Onlinehändlern größter Beliebtheit erfreut. Das liegt in erster Linie daran, dass ein Einzelunternehmen wirklich schnell gegründet werden kann und kaum Auflagen unterliegt.

Gerade dann, wenn Ihr Onlineshop erst einmal ein Nebenprojekt sein soll oder Sie Ihr E-Commerce-Business von vornherein lieber im kleinen Rahmen aufziehen möchten, erweist sich das Einzelunternehmen als vernünftige Wahl.

Wie finde ich die richtige Rechtsform für meinen Onlineshop?

Auch wenn die große Mehrheit der Onlinehändler sich für die Gründung einer GmbH oder eines Einzelunternehmens entscheidet, heißt das noch lange nicht, dass auch Sie diese Wahl unbedingt treffen sollten.

Wenn es darum geht, sich für eine Rechtsform zu entscheiden, ist immer ein individueller Blick auf Ihre Situation und Ihr Geschäftsmodell notwendig. Fragen Sie sich hierzu beispielsweise:

  • Wie viel Start- beziehungsweise Stammkapital steht mir zur Verfügung?
  • Wie wichtig ist mir eine beschränkte Haftung?
  • Wie schnell möchte ich meinen Geschäftsbetrieb aufnehmen?
  • Möchte ich meinen Onlineshop allein oder im Team gründen?
  • Ist mir ein seriöses Ansehen der gewählten Rechtsform wichtig?
  • Möchte ich meinen Onlineshop möglichst unkompliziert verkaufen können? Je umfassender Sie sich mit den unterschiedlichen Unternehmensformen für ein E-Commerce-Business auseinandersetzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie am Ende die richtige Wahl treffen.

Die Wahl der Rechtsform ist nicht in Stein gemeißelt

Unternehmen entwickeln sich im Laufe der Zeit natürlich weiter und haben irgendwann ganz andere „Bedürfnisse“ als zu Beginn. Wenn Sie irgendwann merken, dass Ihre ursprünglich gewählte Rechtsform nicht mehr zu Ihrem Onlineshop passt, dann gibt es immer auch die Möglichkeit, sie zu wechseln.

Dieser Schritt ist im Normalfall mit viel Aufwand (und auch Kosten) verbunden, doch durchaus sinnvoll. Wenn Sie beispielsweise als Einzelunternehmer planen, sich massiv zu vergrößern, ist es unter Umständen eine clevere Entscheidung, ihr Geschäft in eine Kapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung zu verwandeln.

Jeder Onlineshop braucht eine Rechtsform. Doch nicht jede Rechtsform eignet sich gleichermaßen für einen Onlineshop. Indem Sie sich tiefgreifend mit den verschiedenen Optionen auseinandersetzen und dabei nie Ihr eigenes Unternehmen aus den Augen verlieren, werde Sie letztlich die richtige Wahl treffen.


Über Daniel Peters

Daniel Peters

Ich helfe E-Commerce-Agenturen und Online-Händlern Stolperfallen beim Verbinden von IT-Systemen (wie etwa Warenwirtschaften) mit dem Onlineshop zu vermeiden.

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