Veröffentlicht am 14. Juli 2026 von Jessika Fichtel
Voice Commerce, die Zukunft des Onlinehandels

Die Art und Weise, wie Menschen online einkaufen, befindet sich in einem stetigen Wandel. Nach Mobile Commerce und Social Commerce rückt nun eine weitere Entwicklung in den Fokus der Händler:innen: Voice Commerce. Für viele Shopbetreiber:innen ist das Thema noch neu, doch es bietet enormes Potenzial für alle, die sich frühzeitig damit auseinandersetzen und einen Wettbewerbsvorteil sichern. In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau Voice Commerce ist, welche Vorteile sowie Herausforderungen mit diesem neuen Trend einhergehen und wie Sie Voice Commerce Schritt für Schritt in Ihrem Onlineshop implementieren.

Definition: Was ist Voice Commerce?

Voice Commerce bezeichnet den Kauf von Produkten oder Dienstleistungen über sprachgesteuerte Systeme. Nutzer:innen übermitteln ihre Suchanfragen ganz einfach und direkt an einen Sprachassistenten ihrer Wahl, wählen ein Produkt aus und bestellen dieses.

Hierfür wird eines dieser Endgeräte benötigt:

  • Smart Speaker (z.B. Alexa, Google Assistent)
  • Smartphone mit Sprachassistenten (z.B. Siri)
  • Smart TVs oder andere vernetzte Geräte mit Sprachassistenten

Anstatt also umständlich zu tippen und ewig zu scrollen, sprechen Käufer:innen ganz einfach ihre Wünsche aus – etwa: „Bestelle neue Kaffeebohnen!“ oder „Suche mir verschiedene Regenmäntel bis 150 € heraus!“.

Wie funktioniert Voice Commerce?

Im Kern basiert Voice Commerce auf drei Technologien:

  1. Spracherkennung (Speech-to-Text): Das gesprochene Wort wird vom Endgerät erfasst und in einen Text umgewandelt
  2. Sprachverarbeitung: Das System versteht die Intention hinter der Anfrage und kann zum Beispiel unterscheiden, ob der:die Nutzer:in Informationen und Vorschläge sucht oder direkt etwas kaufen möchte
  3. Systemintegration: Die Anfrage gelangt (bestenfalls) in Ihren Shop, passende Produkte werden gefunden, in den Warenkorb gelegt und bestellt

Ein typischer Voice Commerce-Ablauf sieht so aus:

  • Nutzer:in stellt eine Anfrage
  • System interpretiert die Anfrage
  • Vorschläge werden gemacht (direkt auf das Gerät oder ein gekoppeltes Endgerät)
  • Nutzer:in bestätigt per Sprache
  • Bestellung wird abgeschlossen

Was sind die Vorteile von Voice Commerce?

Voice Commerce ist nicht ohne Grund gerade in aller Munde. Denn längst ist klar: Das hier ist nicht bloß ein Trend, sondern eine Entwicklung, die gekommen ist, um zu bleiben. Tatsächlich gibt es eine Reihe überzeugender Vorteile, die Voice Commerce in den kommenden Jahren immer beliebter machen werden.

#1 Komfort und Geschwindigkeit

Voice Commerce ist ausgesprochen bequem – kein Tippen, kein Scrollen, kein endloses Starren auf Bildschirme. Stattdessen: Ein kurzer Sprachbefehl, eine kuratierte Auswahl, ein automatisierter Bestellprozess. Das ist ideal für:

  • unterwegs
  • Multitasking-Situationen im Alltag
  • schnelle Nachbestellungen bereits genutzter Produkte

#2 Barrierefreiheit

Onlineshopping via Sprachsteuerung ist nicht nur komfortabel und schnell, sondern auch extrem zugänglich für Menschen mit diversen Einschränkungen. Oder anders formuliert: Voice Commerce fördert die Barrierefreiheit im Onlinehandel.

#3 Wettbewerbsvorteil

Noch ist Voice Commerce kein Standard. Onlinehändler:innen, die jetzt ihren Fokus darauf legen, können sich als innovative Anbieter:innen positionieren und einen Vorsprung zur Konkurrenz aufbauen.

#4 Stärkere Kund:innenbindung

Aktuell wird Voice Commerce am meisten für Wiederholungs-Bestellungen genutzt – also für (Verbrauchs-)Produkte, die bereits gekauft wurden und überzeugt haben. Das bedeutet wiederum, dass Voice Commerce und Kund:innenbindung eng miteinander verwoben sind und sich gegenseitig pushen.

Was sind Nachteile und Herausforderungen von Voice Commerce?

So groß die Euphorie auch sein mag, Voice Commerce kommt – wie alles im Leben – auch mit Nachteilen beziehungsweise Herausforderungen für Ihren Onlineshop daher. Es ist wichtig, diese genau zu kennen, um maximal von der Technologie profitieren zu können.

#1 Datenschutz und Vertrauen

Sprachassistenten stehen immer wieder in der Kritik, wenn es um das Thema Datenschutz geht. Viele (potenzielle) Nutzer:innen zögern daher, sensible Daten via Sprache zu übermitteln.

#2 Eingeschränkte Produktauswahl

Menschen, die per Spracherkennung etwas im Internet bestellen, wollen, dass es schnell und unkompliziert geht und haben keine Zeit für Vergleiche. Darum entscheiden sie sich oft für Produkte, die sie bereits kennen oder von namhaften Marken. Neulinge haben es hingegen schwerer, zu überzeugen.

#3 eventuelle fehlende Darstellung

Wer einen Smart Speaker nutzt und diesen nicht mit einem anderen Endgerät koppelt, kann sich die vorgeschlagenen Produkte nicht ansehen. Auch das stellt mitunter eine Hürde im Bestellprozess dar.

#4 technische Komplexität

Sowohl Händler:innen als auch Käufer:innen schrecken aktuell noch häufig vor Voice Commerce zurück, weil ihnen die Technologie dahinter zu komplex erscheint. Doch diese Hürde wird in den kommenden Jahren vermutlich immer kleiner.

Konkrete Anwendungsbeispiele für Voice Commerce

Die Kombination von Sprachassistenz und E-Commerce bietet viele Möglichkeiten der praktischen Nutzung. Hier finden Sie ein paar ganz konkrete Anwendungsbeispiele:

  • Nachbestellungen: „Bitte bestelle das Shampoo XY erneut.“
  • Produktsuche: „Bitte suche mir nachhaltige Sneakers in Größe 41, die unter 100 € kosten.“
  • Einkaufsliste: „Füge Orangensaft und Toastbrot meiner Einkaufsliste hinzu.“
  • Kundenservice: „Wo ist meine Bestellung im Shop XY gerade?“
  • Empfehlungen: „Welche Mützen passen zu dem grünen Schal, den ich letztens bestellt habe?“

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wie Sie Voice Commerce in Ihrem Onlineshop nutzen

Damit die Produkte aus Ihrem Onlineshop via Sprachassistenz gefunden werden, müssen Sie Voice Commerce implementieren. Wir haben den Prozess als übersichtliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammengefasst:

Schritt #1: Ziel und Use Case definieren

Starten Sie nicht mit dem Anspruch, Voice Commerce sei die „eierlegende Wollmilchsau“, sondern fokussieren Sie sich auf konkrete Anwendungsfälle wie zum Beispiel Nachbestellung, Produktsuche oder Kund:innenservice. 

Schritt #2: Zielgruppe analysieren

Nicht jede Zielgruppe nutzt Voice Commerce – finden Sie also heraus, ob die Menschen, die in Ihrem Shop bestellen, dies auch über Sprachsteuerung machen würden. Wichtige Indikatoren hierfür sind Alter, Technikaffinität und Kaufverhalten.

Schritt #3: Plattform wählen

Nun geht es ans Eingemachte: Sie können entweder einen vorhandene Lösung, bspw. Alexa Skills oder Google Actions, im Shop integrieren oder auf eine maßgeschneiderte Voice Commerce-App zurückgreifen. Während Ihnen Option 1 einen schnellen Start ins Geschäft garantiert, gibt Ihnen Option 2 deutlich mehr Kontrolle über das Einkaufserlebnis. Letztlich entscheidet jedoch vermutlich das Budget darüber, welchen Weg Sie wählen.

Schritt #4: Technische Grundlagen schaffen

Wichtige Voraussetzungen für den Voice Commerce sind API-Schnittstellen zum Shop, der Zugriff auf Produktdaten sowie Benutzer:innenkonten und die Bestellhistorien. 

Schritt #5: Voice User Interface gestalten

Voice Commerce bedeutet immer auch Kommunikation zwischen den Nutzer:innen und der Sprachassistenz. Die Grundlage hierfür bildet das Voice User Interface. Dieses sollte klare, einfache Dialoge, kurze Antwortmöglichkeiten und sinnvolle Rückfragen zulassen. So entsteht eine möglichst angenehme Einkaufserfahrung.

Schritt #6: Sicherheit und Datenschutz beachten

Voice Commerce kann nicht ohne hohe Sicherheitsstandards und Datenschutz funktionieren. In diesem Schritt gilt es daher, den Fokus auf eine sichere Authentifizierung, transparente Kommunikation und eine DSGVO-konforme Umsetzung zu lenken.

Schritt #7: Testen und optimieren

Ehe Ihre Kund:innen in den Genuss vom sprachgesteuerten Onlineshopping kommen, müssen die Voice Interfaces natürlich umfassend getestet und im Anschluss optimiert werden. Verschiedene Formulierungen, Dialekte, eine undeutliche Aussprache und reale Nutzungsszenarien mit teils lauten Hintergrundgeräuschen stellen Sprachassistenten mitunter vor große Herausforderungen.


Voice Commerce ist mehr als nur ein Trend. Es ist der nächste Schritt hin zu einem nahtlosen, intuitiven Einkaufserlebnis. Für Sie als Onlinehändler:in gilt vor allem: Starten Sie klein, testen Sie konkrete Use Cases und optimieren Sie das Interface kontinuierlich. Wer früh investiert und die Bedürfnisse seiner Kund:innen versteht, kann sich langfristig einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern. Denn durch Fortschritte in der KI und Sprachverarbeitung kann davon ausgegangen werden, dass Voice Commerce immer leistungsstärker wird und dadurch immer mehr Fans gewinnt.

Jessika Fichtel

Jessika Fichtel arbeitet seit 2015 als freiberufliche Texterin und hat sich in dieser Zeit auf den Bereich Corporate Blogging spezialisiert. Neben digitalen Themen wie E-Commerce und Social Media schreibt sie auch über Nachhaltigkeit und Elternschaft.

www.jf-texte.de

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