Der Handel mit gebrauchten Gegenständen boomt. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch immer mehr gewerbliche Händler:innen haben erkannt, dass die Nachfrage im second hand-Segment stetig wächst. Das Buzzword der Stunde lautet daher: Re-Commerce.
Was ist Re-Commerce?
Laut Wikipedia ist Re-Commerce der „Handelsverkehr gebrauchter Gegenstände über das Internet“. Was in den 1990er und 2000er Jahren mit Ebay begann, ist längst ein rasch wachsender Markt, der sich vor allem auf die Segmente Konsumelektronik, (Unterhaltungs-)Medien und Kleidung fokussiert.
Während 2023 bereits rund 188,4 Mrd. US-Dollar Umsatz über Re-Commerce generiert wurden, wird für das Jahr 2029 sogar mit etwa 291,6 Mrd. US-Dollar gerechnet. (Quelle) Diese beeindruckenden Zahlen zeigen, dass der professionelle Handel mit gebrauchten Waren längst kein Trend mehr ist, sondern einen wesentlichen Bestandteil vom Onlinehandel darstellt.
Hierfür sind nicht zuletzt diverse E-Commerce-Größen wie Rebuy, Momox, Medimops und Backmarket verantwortlich. Neben diesen Spezialisten für Second Hand-Produkte springen auch immer mehr klassische Shops auf den Re-Commerce-Zug auf und erkennen die Potenziale, die der Markt mit sich bringt. Hierzu gehören beispielsweise Zalando, Bergzeit, H&M sowie Decathlon.
Gut zu wissen: Während solche Anbieter professionelles bzw. gewerbliches Re-Commerce betreiben, gibt es zusätzlich auch Plattformen wie Vinted und Kleinanzeigen, auf denen Privatpersonen ihren Besitz weiterverkaufen können. Um diesen Teilaspekt von Re-Commerce soll es hier allerdings nicht gehen.
Warum ist Re-Commerce so beliebt?
Immer mehr Menschen entscheiden sich beim Onlinekauf für gebrauchte Produkte und setzen damit (gewollt oder nicht) ein Zeichen für bewussteren Konsum. Immerhin rund 54 % und damit mehr als die Hälfte der Deutschen haben 2024 second hand geshoppt. (Quelle)
Die Gründe für eine Entscheidung zugunsten von Re-Commerce sind vielfältig. Aus Kund:innensicht können insbesondere diese genannt werden:
- Nachhaltigkeitsaspekt (Ressourcen schonen, Lebensdauer verlängern, Kreisläufe ausschöpfen)
- verringerter Preis (im Vergleich zu Neuware)
- geringes Risiko durch Rückgabe- und Umtauschrecht (im Gegensatz zu Privatverkäufen)
- Möglichkeit, besondere Einzelstücke zu kaufen
Chancen und Herausforderungen für Händler:innen
Jahrelang als Trend abgestempelt, ist Re-Commerce längst zu einem wichtigen Teilbereich des Onlinehandels geworden. Wenn auch Sie sich dafür interessieren, in den Handel mit gebrauchten Waren einzusteigen, sollten Sie diese Chancen und Herausforderungen unbedingt kennen.
Chancen vom Re-Commerce
- neue Zielgruppen
- positives Branding / Marketing (doch Vorsicht vor Greenwashing!)
- gute Zukunftsaussichten (Nachfrage steigt weiter)
Herausforderungen vom Re-Commerce
- umfassende Prüfung und Aufbereitung der Produkte („refurbishing“)
- aufwändige Produktanlage (Einzelstücke)
- hohe Anforderungen an den Onlineshop (gute Navigation und Filterfunktionen, KI-gestützte Empfehlungen u.v.m.)
- hohes Vertrauen der Kund:innen erforderlich
- Gegentrend: Temu, Shein und Co.
Auch wenn es in Deutschland inzwischen mehr als 40 Re-Commerce-Anbieter gibt, kommt der Trend hier gerade erst an. Es ist also noch nicht zu spät, Ihren Shop (teilweise) auf den Verkauf gebrauchter Produkte zu spezialisieren. Noch exakter wird Ihre Zielgruppenansprache, wenn Sie sich zusätzlich für eine Nische entscheiden.

